Donnerstag, 27. Oktober 2016

Im Labyrinth

Bis zum Abitur war alles gut. Es gab keine schwierigen Fragen, keine wichtigen Entscheidungen. Einfach immer geradeaus. Ohne größere Schwierigkeiten (die Prüfungsangst mal außen vorgelassen) machte ich mein Abitur.

Damit ging ich zum Eingang des Labyrinths. Riesig groß erschien es mir und gleich zu Beginn gabelten sich die Wege so oft, dass ich die Orientierung schnell verlor. Mal folgte ich den Biegungen des Weges, mal ging ich zurück und versuchte einen neuen. Meine Umwelt verzweifelte oft an meiner Orientierungslosigkeit, schalt meine geringen Anstrengungen (waren sie es wirklich oder schien es ihnen nur so?), wenn ich umkehrte.

In den letzten Jahren verfolgte ich einen Weg. Teilweise ging es steil bergauf und brachte mich zum Schnaufen, aber ich hatte ja gelernt: umkehren geht nicht. Um Ecken und Kurven führte es mich. Mal war es hell wie in einem Schlossgarten, dann wieder dunkel wie das Labyrinth des Minotaurus. Ich dachte, das müsste so sein und ging weiter. Auch, als es immer dunkler wurde. Auch, als die Gänge immer enger wurden. Hat nicht jeder so ein Labyrinth?

Seit der letzten Wegbiegung ist der Weg beschwerlich. Es ist dunkel und kalt, Steine fallen von der Decke und rollen auf dem Boden, ich stolpere wieder orientierungslos umher. Doch da drückte mir jemand eine Kerze in die Hand. Eine kleine nur, ich muss gut auf sie aufpassen. Aber sie spendet mit Licht und Wärme und sie kann mir helfen, noch mehr Kerzen zu finden, kleine und größere. Mit ihrer Hilfe finde ich vielleicht zurück ans Tageslicht.



* Meine Hausärztin hat heute BurnOut diagnostiziert. Die Diagnose macht mir gleichzeitig riesige Angst vor dem, was kommt und gibt mir Hoffnung, dass es jetzt endlich besser werden kann.

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