Freitag, 4. Dezember 2015

Advent, Advent... Adventskalendergeschichten

Ich muss euch unbedingt noch meinen Adventskalender zeigen! Am liebsten hätte ich das ja gleich am ersten Advent getan, rechtzeitig, damit ihr noch einen Last-Minute-Ideenanstupser bekommt, aber dann wäre euch ja der wundervolle Inhalt entgangen! Und deshalb müsst ihr euch die Idee eben für nächstes Jahr abspeichern.


Den Kalender habe ich, wie jedes Jahr, von meiner allerliebsten Anni bekommen. Wenn ihr mich fragt, ist sie die ungekrönte Adventskalenderkönigin. Im letzten Jahr hat sie mir ein Adventskalender-Bücherregal geschenkt, davor gab es einen Tannenbaum mit 24 Fächern, ein riesiges Stoffhaus mit Fenstern, und davor gabe es schon viele, viele. Die Kalender werden auch immer aufgehoben und zieren in den folgenden Jahren das Haus als Adventsdekoration.



In diesem Jahr hat sie also ein Zahlenschiebespiel in weihnachtlichen Farben gebastelt. Jeden Tag muss ich die Kästchen schieben, bis das Kästchen des Tages in der unteren rechten Ecke ist. Nur dort kann ich es herausnehmen. Wie man sieht, habe ich für morgen schon mal vorgearbeitet.

Aber ich wollte euch ja noch vom Inhalt erzählen: In den kleinen Kästchen sind von Anni handbemalte Erzählsteine. Ja, sie ist eine echte Allroun-Künstlerin! Sie näht die tollsten Sachen, sie bäckt die schönsten Torten, sie bastelt die schönsten Adventskalender und malen kann sie auch! (Und früher hat sie auch noch Puppen selbst gemacht, die kleine Sternenprinzessin, die sie vor 15? Jahren für mich gebastelt hat, sitzt immer noch auf meiner Kommode und darf von den Kindern nur ehrfürchtig bestaunt werden.) Hm, ich merke gerade, ich sollte euch Anni und ihre Kunstwerke mal in einem extra Post vorstellen. Mal sehen, was sie dazu sagt...



Aber jetzt wollte ich euch ja von den Erzählsteinen erzählen. Sie sind aus Salzteig hergestellt und Anni hat sich 24 kleine Motive überlegt, die zum Erzählen von Geschichten anregen sollen. Nur einen Dinosaurier wollte sie nicht malen, hat sie mir verraten. Die vier Steine sind also die, die ich in den letzten Tagen im Kalender gefunden habe. Sind sie nicht wundervoll? Sie hat mir schon im letzten Jahr so schöne Steine geschenkt, 24 weihnachtliche oder winterliche Motive, in einem wundervollen Samtbeutel, aus dem die Geschichten geradezu herausströmen:


Ihr wisst jetzt nicht, was ich mit den Steinen anfangen will? Nun, vorerst werden sie in der Familie ausgiebig getestet, aber wenn die Sammlung etwas größer ist, nehme ich sie mit in die Schule und wir benutzen sie, um uns Geschichten auszudenken. Ob dann jedes Kind einen Stein zieht und wir eine Fortsetzungsgeschichte erzählen oder ob sich ein Kind eine Handvoll Steine nimmt, um daraus eine Geschichte zu entwickeln, das passiert dann spontan. Auf jeden Fall ist Material für viele Geschichten vorhanden.

Die vier Steine haben den Geschichtenfaden schon schwingen lassen:



Es ist endlich wieder Frühling geworden. Ein junges Amselweibchen sitzt auf einem Ast und genießt die ersten warmen Sonnenstrahlen. Sie schließt die Augen und dreht ihren Kopf in den sanften Frühlingswind. Der Schnee hat viele kleine Pfützen auf der Wiese unter ihrem Baum hinterlassen und die Luft ist noch frisch und feucht. Die kleine Amsel saugt alle Eindrücke in sich auf, es ist ihr erster Frühling. Und während sie, immer noch mit geschlossenen Augen, gleichzeitig Wärme und frische Luft genießt, klingt ein wundervoller Ton an ihr Ohr. Ganz in ihrer Nähe singt jemand ein Frühlingslied, das genau zur Stimmung unserer kleinen Amsel passt, das den zauberhaften Frühlingstag feiert, die Luft, das Wasser und die Sonne. Die Amsel schaut sich um und erblickt ein paar Äste weiter einen Amselmann, der aus voller Kehle dieses Lied zwitschert. 

Einige Wochen später sitzt unser Amselweibchen auf seinem ersten Gelege, nur zwei kleine Eier liegen in ihrem Nest und sie hütet sie wie ihren größten Schatz. Sie wärmt sie mit ihren Brustfedern und fächelt ihnen mit ihren Flügeln frische Luft zu, sie wendet sie hin und her. Sie ist so stolz und glücklich über ihre beiden Eier. Das Amselmännchen versorgt sie mit fetten Regenwürmern und singt ihr die schönsten Lieder von der Sonne, dem Wind und dem Frühling.

Doch eines Tages, als die kleine Amsel gerade von den Eiern gestiegen ist, um sie mit ihrem Schnabel im Nest hin- und herzukullern, entdeckt sie in einem Ei einen Riss! Die kleine Amsel ist schrecklich aufgeregt, sie flattert vor Schreck um das Nest, besieht das Ei von allen Seiten. Ja, ein Riss, um die ganze Schale! Wie konnte das nur passieren, sie hatte doch so gut aufgepasst? War sie mit ihrem Schnabel zu fest an das Ei gestoßen? Der kleinen Amsel ist ganz elend zumute. Sie setzt sich vorsichtig auf ihre Eier, kuschelt das eine, angeknackste, unter ihre weichsten Brustfedern. Der Amselmann ist gerade unterwegs um Futter zu suchen, er kann ihr nicht helfen. 


Aber ein Eichhörnchen, das die Amsel jeden Tag besucht, hat eine Idee. "Es muss zu einem Arzt", sagt es. "Die Eule kann deinem Ei vielleicht helfen. Sie hilft mir auch, wenn ich mir die Pfote gestoßen habe oder der Bauch weh tut." Das Eichhörnchen hat in seinem Kobel viele lustige Dinge gesammelt, die die Menschen auf der Wiese liegen lassen. Da liegen eine Gabel, eine Glasmurmel, etwas glitzerndes Bonbonpapier. Und ein kleiner, schon ein bisschen faltiger Luftballon, der der kleinen Marie letzte Woche davongeflogen ist und sich in den Ästen des Baumes verfangen hat, in dem das Eichhörnchen wohnt. An dem Ballon knoten die beiden vorsichtig das Ei fest. Das Eichhörnchen wickelt seinen Schwanz um das Ei, um es vor Wind und vorm Zerbrechen zu schützen und macht sich mit dem Ei auf zur Eule. Das Amselweibchen wartet. Es muss ja bei dem anderen Ei bleiben, es wärmen, lüften und vorsichtig umherrollen.


 Zwei Tage später bringt der Buntspecht einen Brief von der Eule: 
"Liebe Amseleltern, euer Ei ist wohlbehalten angekommen. Bitte sorgt euch nicht, bald werdet ihr euer Kind gesund zurückbekommen. Eule"
Die Amsel wird von Tag zu Tag ungeduldiger.


Da weht der Wind einen kleinen, bunten Drachen mit einem großen Lachmund genau in ihren Baum. Und am Drachenschwanz, in einem kleinen Päckchen, das mit weichem Laub, Federn und Gewölle ausgepolstert ist, liegt ein winziges Amselküken. Sofort reißt es den Schnabel auf und piepst. "Hunger!" schreit es, "Futter, Futter!" Ach, wie sind die Amseleltern froh! Der Vater fliegt sofort los, um kleine Regenwürmer für den kleinen Piepmatz zu suchen. Das Amselweibchen sitzt immer noch auf dem zweiten Ei. Auch dieses Ei hat einen großen Riss in der Schale, aber ihr Amselmännchen hat ihr nun erklärt, dass aus diesem Riss bals ihr zweites Küken schlüpfen wird. Sie nimmt ihr erstes Kind zwischen die Brustfedern, wo es warm und luftig sitzt und erzählt ihm die aufregende Geschichte seiner Geburt.


Seid ihr noch da? Diese Steine sind perfekt für den Freutag, weil ich sie so wundervoll finde. Bestimmt geht es euch genauso. Welche Geschichte ist euch denn als erstes durch den Kopf geschossen?

1 Kommentar:

  1. Hach, dem Herrn sei Dank das keiner sieht wie rot ich jetzt geworden bin.:-* Eine schöne Geschichte hast du dir da ausgedacht. Die "Arbeit" ist es für dich jedes Mal wert und ich bin glücklich das du dich jedes Jahr wieder über einen Kalender freust. Der für nächstes Jahr ist schon so gut wie fertig. Der sollte ja dieses Jahr zum Einsatz kommen, aber dann hast du dir den vom Bloggerwichteln gewünscht...
    Übrigens gab es das Schränkchen schon vor 2 Jahren (welcher letztes Jahr???:-P) und die Puppe ist wirklich schon Volljährig....ja meine Liebe soooo alt sind wir schon;-)

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