Donnerstag, 2. April 2015

This is not okay!

Susanne von mamimade hat da in den letzten Wochen eine neue Aktion ins Leben gerufen, die meinen Nerv voll trifft. Es geht um die Viel-Billig-Kaufen-Mentalität der Kunden und die Unmengen-Billig-Produzieren-Mentalität der Firmen. Manchmal frage ich mich, ob es bei diesem Spiel überhaupt noch Gewinner geben kann? Schon bevor ich selbst genäht habe, war mir klar, dass Kleidung viel zu billig verkauft wird. Seit ich selbst nähe, ist mir klar, wie viel zu billig. Deshalb auch von mir diese Nachricht an die Bekleidungsindustrie:




Als arbeitende Mutter von drei kleinen Schmutzfinken muss auch ich mich um ausreichend Kleidung für meine Familie kümmern. Da ich die Ausbeutungspraktiken der Textilindustrie aber schon lange nicht mehr unterstützen möchte, suche ich schon seit Jahren nach Alternativen. Früher kaufte ich gern Kinderkleidung bei jakoo, vertbaudet und Co., heute versuche ich diese Firmen zu vermeiden. 

Meine Alternativen? Vieles nähe ich inzwischen selbst. Heute erst kann ich ganz stolz meine erste richtige Hose für Maxi präsentieren: eine Schnabelinose. Dass sie mir förmlich unter der Nähmaschine weggerissen wurde und Maxi sie sofort angezogen hat, freut mich unheimlich. Auch Shirts, Röcke, Leggings und Schlafanzüge werden nicht mehr gekauft. Und meine eigenen Shirts nähe ich auch selbst.

Schnabelinose aus Sternchencord

Aber viele Sachen kann ich einfach nicht so nähen, wie ich sie gern anziehen würde. Jeans für mich zum Beispiel. Oder die Jeansjacke, die sich Maxi neulich gewünscht hat. Für solche Fälle hilft mir ubup - eine Plattform, auf der gebrauchte Kleidung verkauft wird. Noch vor zwei Jahren hätte ich vermutlich nicht geglaubt, dass ich mal SecondHand-Hosen trage. Aber ich bin mir sicher, dass das niemand merkt, der es nicht weiß. Die sind in einem tollen Zustand!

Für alle Leser, die nicht selbst nähen und für die SecondHand keine Alternative ist, hat Susanne aber auch einen Tipp: wenn ihr in einen Laden geht, um etwas zu kaufen, dann kauft auch nur das! Lasst euch von den lockenden Angeboten nicht verführen! Denn auch das ist ein Teil der Billig-Wegwerf-Mentalität: die im Vorbeigehen mitgenommenen "Schnäppchen". Eine Bekannte von mir sagt dazu nur wegwerfend: "Nur nicht ausgegebenes Geld ist gespartes Geld." Und sie hat Recht! (Und ja, in dieser Hinsicht muss ich mir auch an die eigene Nase packen.) Lassen wir die Sachen, die wir gar nicht wirklich brauchen, im Laden. 

Was mich dabei besonders ermutigt, ist Susannes Idee, den Firmen unter die Nase zu reiben, was sie gerade nicht verdient haben. Wie viel Geld ich gerade nicht bei ihnen ausgegeben habe. Ein Foto von den Dingen machen, die man lieber im Laden gelassen hat, weil sie nicht fair produziert werden, und bei instagram, twitter oder facebook mit dem Hashtag #thisisnotokay versehen. Vielleicht öffnet das bei den Firmen das eine oder andere Auge. Wir sind die Kunden! Wir haben das Geld! Und deshalb können wir auch fordern, dass wir fair produzierte Kleidung (und Nahrung, Alltagsgegenstände etc.) kaufen wollen. Seid ihr dabei?

Kommentare:

  1. Ja. Ja und noch mal ja. Ich werde mich in Zukunft auch wieder mehr an die Maschine setzen und GOTS zertifizierten Stoff vernähen!!
    Liebe Grüße
    Suse

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    1. Stimmt, das ist auch so ein Punkt. Ich mag die Lillestoffe sehr, die sind bio, fair und schön. Leider nur Jersey.

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  2. Ja! Für den kleinen Mann Nähe ich selber und suche auch zertifizierte stoffe, seitdem ich es gecheckt habe. Meine Klamotten trage ich seit Jahren nach guter schwäbischer Art auf. Manchmal Fragen mich Kollegen schon wie lange ich das Zeug hab :-). Aber ich bin da uneitel oder eher gleichgültig und irgendwann werde ich lernen auch mir was passendes zu nähen. LG ingrid

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    1. Hihi, ich habe bis jetzt oft genug die Arbeitsstelle gewechselt. ;o) Aber das neu Nähen kann ich nur empfehlen, auch, wenn es anfangs frustrierend ist, weil die Shirts oft nicht so sitzen, wie sie sollen.

      Liebe Grüße,
      Steffi

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  3. Da geb ich dir voll und ganz recht. Billigware schadet mehr Leuten als sie nutz... eigentlich hat den großen Nutzen nur der "Big Boss". Selbst zu nähen ist klasse, ich bin da nicht ganz so talentiert, deshalb verwerte ich oft ganz viel wieder..... oder eben Second Hand.
    Liebe Grüße
    Gusta

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  4. Du triffst wieder einmal voll ins Schwarze! Ich habe JEDESMAL ein schlechtes Gewissen, wenn ich - vor allem - Kinderkleidung kaufe. Weil ich genau weiß, wie sie produziert wird. Weil mir völlig klar ist, welche Mafia ich hier finanziell unterstütze. Bisher fehlen mir aber irgendwie echte Alternativen.

    Erstens: ich kann nicht nähen. Es reicht für Vorhänge und Ähnliches, bei Kleidung muss ich passen.

    Zweitens: es gibt ja durchaus Anbieter, die absolut ökologische Ware im Programm haben. Für einzelne Stücke ist das ok, aber beim durchschnittlichen Gebrauch von Kinderkleidung kann ich mir das schlicht und einfach nicht leisten. Nicht: ich WILL mir und meiner Familie das nicht leisten, nein, es geht einfach nicht. Ich suche noch nach Lösungen. Und ich weiß, dass ich hier das Hauptproblem vieler Familien anspreche.

    Drittens: Kaufen am Flohmarkt und Second Hand. JAAAAA! Das mache ich schon immer. Um einen Spottpreis bekommt man oft die tollsten Dinge. Aber: das Problem der Ausbeutung von Kinderarbeitern in Bangladesh lösen wir damit nicht.

    Viertens: Kleidung tauschen, verschenken, weitergeben, jaaa, auch das betreibe ich eifrigst. Problematik: siehe oben. Die Kleidung wurde doch einmal unter miserablen Bedingungen hergestellt.

    Lösung: fällt mir keine ein. Bei den Lebensmitteln ist es einfacher. Biomarkt, selbst anbauen, regionale Produkte kaufen, am Bauernhof einkaufen, hier sind die Möglichkeiten groß. Die Dinge sind zwar auch etwas teuerer, aber mit guter Planung und saisonalem Speiseplan ist das in den Griff zu bekommen.

    Kleidung ist ein Problem. Außerdem: wenn ihr selbst näht, woher kommen die Stoffe? Wie sind sie hergestellt? Unter welchen Bedingungen? Kann man das nachverfolgen?

    Es ist ein Dilemma und ein ganz toller Beitrag. Danke dafür. Wir müssten uns alle viel mehr Gedanken machen.

    Ganz lieben Gruß ins Pappelheim
    Marie

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