Freitag, 27. Juni 2014

Von Mädchen und Frauen

Carolin sucht in ihrem (B)Logbook nach einer netten Mädelsrunde zum Schwatzen und hat deshalb dazu aufgefordert, doch mal ein bisschen von sich zu erzählen. Dann will ich mal loslegen, so ein kleiner Schwatz tut doch immer gut.

Was bin ich für ein Mädchen?





Da müsste man ja direkt mal überlegen, was ein Mädchen eigentlich so auszeichnet. Carolin war so nett und hat schon mal ein paar Klischees in die Kiste geworfen:

SCHUHE

Mädchen lieben Schuhe. Mädchen lieben es, Schuhe zu kaufen. Mädchen haben viele Schuhe, viel mehr als Jungs (oder sollte ich hier jetzt Männer schreiben???)
Tatsache ist, dass ich Schuhe besitze und auch anziehe. Außer Haus, jedenfalls auf der Straße. Viel lieber bin ich barfuß, auch in unserem Garten mit dem stacheligen Gras. Und erst recht im Haus. Der Sinn von Hausschuhen hat sich mir erst erschlossen, als ich krümelnde Kinder hatte - mit Schuhen pikst es nicht mehr so an den Füßen. Aber ich habe sogar lieber piksende, krümelige Füße als Hausschuhe. 

Trotzdem habe ich viele Schuhe. Wie kommt das? Für den Alltag gibt es eigentlich nur drei Paar und eins davon schreit schon seit seinem (Not-)Kauf danach, ausgetauscht zu werden. Die anderen stehen hinter dem großen Spiegel im Flurschrank und stauben vor sich hin. Die sind nur noch da, weil ich mich nicht von ihnen trennen kann. Und dann gibt es da noch diese zwei, die ich so schön finde, aber nicht kombinieren kann. Grün-weiße Ballerinas. Ich habe ewig die Internetshops durchwühlt auf der Suche nach diesem einen paar - aber ich besitze gar keine grünen Sachen! 
Und was bin ich nun für ein Mädchen?


  
ACCESSOIRES UND TASCHEN
 
Mädchen lieben Accessoires und Taschen. Mädchen lieben es, Accessoires und Taschen zu kaufen. Mädchen haben mehr Accessoires und Taschen, als sie brauchen.
Wie kann man mehr Accessoires und Taschen haben, als man braucht? Geht das? Also ich brauche alle meine Taschen. Die Dame vom Taschenspieler 1, die mir meine liebste Anni genäht hat, begleitet mich auf kleinen Ausflügen mit meinen Kindern, die selbst genähte Skippy ist auf größeren Ausflügen dabei. Die ganz kleine Tasche ist super für den schnellen Gang in die KiTa oder zum Dorfladen, der Rucksack ist auf Städteausflügen dabei. Okay, die Lederhandtasche ist möglicherweise nicht mehr so dringend notwendig, sieht aber im Zweifel sicher seriöser aus als die beiden Farbenmixtaschen.
Und Accessoires? Dass ich ein Mädchen bin, beweist doch schon die Tatsache, dass ich die Bedeutung, die Aussprache und die Schreibweise des Wortes kenne. Wie viele Männer tun das ebenfalls? Accessoires, vor allem Ketten, kaufe ich ja sehr gern. Aber abgesehen von Tüchern und Schals in der kälteren Jahreszeit trage ich keine. Eine beliebte Ausrede sind auch hier die immer anwesenden neugierigen Kinderhände, aber eher liegt es an meinem mangelnden Geschick, sie passend zu kombinieren.
Und was bin ich nun für ein Mädchen?






KLAMOTTEN

Mädchen lieben Klamotten. Mädchen kaufen gern Klamotten. Mädchen haben viel zu viele Klamotten.
Ich kaufe nicht gern Klamotten. Das liegt aber einzig an meiner unübersehbaren Apfelfigur, ich würde sie schon gern kaufen. trotzdem platzen meine Schränke aus allen Nähten und trotzdem habe ich nie etwas anzuziehen. Am liebsten trage ich Jeans und Shirt, aber ich mag auch Leggins-Rock-Kombinationen sehr gern. Nur mit Kleidern habe ich es nicht so. Und hätte ich nicht meinen Apfel, dann hätte ich viel mehr Röcke und viel mehr Blusen und würde wahrscheinlich trotzdem jeden Tag fluchend vor dem Schrank stehen, weil ich nichts anzuziehen habe. :-)
Und was bin ich nun für ein Mädchen?
ROSA UND PINK

Mädchen lieben rosa und pink. Rosa und pink kann man als solches nicht kaufen und somit auch nicht zu viel davon besitzen.
Rosa und pink sind hier die Farben von Midi, meine sind eher blau in allen Schattierungen und richtiges Rot. Ich kann mir im Augenblick auch nicht vorstellen, etwas rosa- oder pinkfarbenes anzuziehen. aber für meine Kinder mag ich die Farben sehr und ich habe mich riesig gefreut, dass die diesjährige vertbaudet-Sommer-Kollektion auch rosa für Jungs im Angebot hatte. Das Shirt hat der Mini auch direkt bekommen.
Und was bin ich nun für ein Mädchen?



NAGELLACK

Mädchen lieben Nagellack. Mädchen kaufen gern Nagellack. Mädchen besitzen mehr Nagellack, als sie brauchen.
Nun ja, meine Nagellacksammlung kann sich sehen lassen. Dabei benutze ich so gut wie nie Nagellack, dazu sind meine Fingernägel viel zu kurz und zu bröselig. Aber mit Nagellack kann man ja noch so viel mehr machen als sich die Fingernägel zu lackieren, deshalb brauche ich den unbedingt.
Und was bin ich nun für ein Mädchen?



Ja, was bin ich für ein Mädchen? Ich bin ein Mädchen, das einige Klischees bedient und andere nicht. Ich bin neugierig und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Das ist auch der Grund, warum mir das Nähen und das Bloggen so viel Spaß machen. Sie fordern mich heraus - das Nähen meine Kreativität, mein räumliches Denken und meine Handfertigkeit, das Bloggen meine sozialen Kompetenzen, meinen Schreibstil, meine technischen und gestalterischen Fähigkeiten, meine Auge bei Fotos. Ich bin ein Mensch der Widersprüche: ich bin eine Mama, aber keine Glucke, eine Hausfrau, aber kein Hausmütterchen, ich habe es gern schön, mag aber nicht aufräumen, ich wäre gern 20 kg leichter, mag aber Schokolade und Kuchen essen. 

Und ganz eigentlich bin ich gar kein Mädchen. Ich bin eine erwachsene Frau, auch wenn ich manchmal selbst erstaunt darüber bin. Für meine Kinder bin ich sogar schon wirklich richtig dolle alt. Unvorstellbar, sozusagen. Aber innen drin, da bin ich manchmal auch noch ein kleines Mädchen, neugierig auf die Welt, staunend über die faszinierenden Dinge, die diese Welt zustande bringt und überzeugt, dass ich alles sein kann, was ich sein will.

Kommentare:

  1. Liebe Mutter Pappelheim, vielen Dank für Deine lieben Worte bei mir! Ich musste gerade schmunzeln über "Für meine Kinder bin ich sogar schon wirklich richtig dolle alt.." Gott sein Dank bin ich für meine Kinder ziemlich alterlos, aber letztens meinte mein Knabe, er müsste öfters zu Oma. Die stirbt bald... Oma ist meine Mutter und nicht mal mitte 50! ;)

    Lieben Gruß Franziska

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    1. Liebe Franziska,

      da seid ihr ja beide recht jung Mutter geworden. Mein bilbisches Alter heißt übrigens "dreitausendhundert Jahre?" Oder "Mama, erzähl mal, wie das war, als du klein warst und es noch keinen Kindergarten gab." (Wir haben Nils Karlsson Däumling gelesen - Zeit der beginnenden Industrialisierung) Aber netterweise machen sie noch keine Pläne über meine Beerdigung. ;-)

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  2. Wow, vielen Dank für die vielen Gedanken - es hat großen Spaß gemacht, das alles zu lesen. Und ich musste am Ende wirklich lachen :-D.

    Liebe Grüße,
    Carolin

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    1. Danke, es das freut mich wirklich sehr. Ich danke dir für diesen hübschen Schreibanlass. Es hat Spaß gemacht, darüber zu schreiben.

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  3. Ich musste sehr schmunzeln und spontan an einen Satz denken den du zu mir vor 7 Jahren gesagt hast: "Wann werde ich aufhören von mir als Mädchen zu denken?"....3 Kinder später ist es, Gott sei dank, noch nicht so weit:-*

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  4. Liebe Steffi, das ist ja herrlich herzerfrischend geschrieben, und ich hab mich sooo wiedergefunden :-)
    Und das hab ich mir auch schon manchmal gedacht, war doch meine Oma früher für mich auch unsagbar alt mit 50. Und heute - ich denke heutzutage bleiben wir länger jung und ich find schön mit meiner Tochter zusammen wieder das Kind in mir zu entdecken und es kommen soo viele so schöner Erinnerungen an die Kindertage wieder zum Vorschein ... schön isses.
    Lieben Gruss
    Mandy

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